31.08.2017

BAUMPFLEGE UND BAUMMANAGEMENT

By: Heiner Löchteken

Was Kommunen mit Blick auf die Erhaltung ihres Baumbestandes und die Vermeidung von Haftungsrisiken der Verkehrssicherungspflicht beachten sollten...

SIND DIE BÄUME IN IHRER STADT VERKEHRSSICHER?

..und liegt es nah, der Kommune Versäumnisse der Verkehrssicherungspflicht vorzuwerfen? 

Bäume können groß und auf manche bedrohlich wirken. Aber Schäden durch Bäume bleiben seltene Einzelfälle. Die meisten Schadensfälle ereignen sich durch Wetterkapriolen und sind nicht kausal dem Baum zuzuschreiben. Vielleicht wird manches mit einem Vergleich der Verkehrsunfälle einer Millionenstadt deutlich. So hat das statistische Bundesamt für das Jahr 2015 auf 1 Millionen Einwohner 4.888 Verunglückte und 43 Tote errechnet (Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 2016). An wieviele Verletzte oder Tote durch Baumbruch können Sie sich denn in der nächsten Millionenstadt – oder überhaupt erinnern? 

Kann eine Kommune ihre Verkehrssicherungspflicht wegen dieser geringen Gefahr einfach ignorieren? Dieser Begriff umschreibt die derzeitige Rechtsauffassung, dass ein Grundstückseigentümer Gefahren, die von seinem Grundstück ausgehen, beseitigen muss. Kommt er dieser Sicherungspflicht nicht mit der erforderlichen Sorgfalt nach und entsteht ein Schaden an einer Person oder Sache, kann von dem Grundstückseigentümer gemäß § 823 BGB Schadensersatz eingefordert werden. 

In dem Fall wird der Geschädigte versuchen, die Sorgfalt des Eigentümers in Frage zu stellen. Es liegt in einem Schadensfall – wie in der einleitenden Frage formuliert – grundsätzlich  nah, der Kommune Versäumnisse der Verkehrssicherungspflicht vorzuwerfen. Jetzt wird deutlich, dass die Kommune, mit einer lückenlosen Dokumentation aller Informationen um den Baum derartige Vorwürfe als haltlos widerlegen kann. 

BAUMKONTROLLEN UND BAUMKATASTER

Es ist nachvollziehbar, dass sich die Begeisterung bei den Verantwortlichen in Grenzen hält, wenn es um die Erstellung eines teuren Baumkatasters geht. Besonders auffällig sind diese Kosten bei Kommunen, die Baumkontrollen und das Baumkataster ausschließlich zum Zweck der rechtlichen Absicherung erstellen. Der billigste erhält den Zuschlag! Erkennt eine Kommune die Baumkontrollen jedoch als wichtigen Baustein zum ökonomischen Baummanagement (Löchteken, 2017), dann zahlen sich die Investitionen der Kontrolle aus. Durch eine ausgewogene Maßnahmenempfehlung und durch optimale Vergabevoraussetzungen reduzieren sich zum einen die Kosten, zum anderen werden weniger Baumschäden durch fehlerhafte Maßnahmenempfehlung und Baumpflegefehler verursacht.

DER BAUMKONTROLLEUR

Fehlerhafte Baumkontrollen zeichnen sich nicht etwa durch besonders viele, übersehene Gefahrenbäume aus. Ganz im Gegenteil werden viele – z.T. unnötige und sogar baumschädigende Maßnahmen vorsichtshalber empfohlen. Abhilfe schaffen hochwertige Kontrollen. Der qualifizierte Baumkontrolleur erkennt die Defekte, aber im Gegensatz zum unerfahrenen Kontrolleur weiß er um die Interaktion dieser Pathogene mit der Baumart auf dem vorhandenen Standort. Er kann seine Maßnahmenempfehlung auf einen Fundus an Erfahrungen und Wissen stützen. Dazu kommt ein Weitblick, die einige Maßnahmen überflüssig machen. Andere Pflegemaßnahmen werden rechtzeitig empfohlen um den Baum in seinem Wert möglichst lange zu erhalten. 

DAS BAUMKATASTER

Die Kontrollen, empfohlene und durchgeführte Maßnahmen und eventuell eingehende Untersuchungen sollten an einer Stelle abgelegt werden. Entgegen vieler Meinungen ist ein digitales Kataster nicht unbedingt notwendig. Eine gute, vorhandene, gewachsene behördliche Struktur kann besser sein, als jedes digitale Baumkataster-Programm. Nicht die Baumkontrolle, sondern das gerichtsfest dokumentierte Baumkataster gewährleistet eine gute Ausgangsposition im Schadensfall. Es darf den Baumkontrolleur jedoch bei seiner Arbeit nicht behindern. Wenn ein digitales Baumkataster 

angeschafft werden soll, müssen folgende Punkte beachtet und mit der vorhandenen Struktur verglichen werden:

- Einfache Bedienung (Papier: gute und durchdachte Vordrucke in gebundener Form | Digital: klein, leicht und einhändig zu bedienen ist besser als das Outdoor-Notebook, auf Bedienung achten, geringer Schulungsaufwand) Der Baumkontrolleur sollte in die Entscheidung eingebunden werden!

- Richtlinienkonforme Baumkontrolle  (im Schadenfall muss ein Dritter das Ergebnis der Baumkontrolle anhand des Protokolls nachvollziehen können | Tipp: typischen Einzelbaum-Ausdruck anfordern)

- Zugriff auf die gesamte Chronologie des Baumes (um die Ergebnisse alter eingehender Untersuchungen und den Verlauf der Vitalität berücksichtigen zu können)

- Rechtssichere Dokumentation (Kontrollen dürfen nicht ohne Weiteres gelöscht oder verändert werden. Ist dies im Programm möglich, dann ist die gerichtliche Verwertbarkeit fraglich)

- Maßnahmenverwaltung

STRATEGISCHE LEITLINIE UND ÖKONOMISCHES BAUMMANAGEMENT

Bäume werden – aus menschlicher Sicht – scheinbar unendlich alt. Wenn ein Baum heute ein Problembaum ist, dann hat es oft damit zu tun, dass vor Zig Jahren ein Fehler gemacht worden ist. Genau so wird sich ein heute verursachter Pflegefehler oder Baumschaden i.d.R. erst in etlichen Jahren auf die Baumvitalität oder Statik auswirken. Umso wichtiger sind klare Leitlinien im Umgang mit dem Baumbestand, an die sich alle halten können. Welche Pflegestrategien sollen verfolgt werden, wie gehe ich mit stark geschädigten Bäumen um, und in welchen Umfang werden einer Fällempfehlung Eingehende Untersuchungen vorgeschaltet. 

Für ein ökonomisches Baummanagement werden überschlagsweise Baumwerte ermitteln, denn es ist einfacher etwas zu erhalten, dessen Wert bekannt ist. Die ermittelten Werte helfen in Diskussionen, vor allem wenn baumschädigende Maßnahmen gefordert werden (Baumkappungen) aber auch im Baumschutz auf Baustellen.

Baummanagement6000.docx|29.03.17 [2]

Fach-Artikel 11/04/2017 der gemeinderat

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