28.09.2015

Interwiew mit der Dorstener Zeitung

LEMBECK. Sein Beruf ist noch jung und selten: Heiner Löchteken ist Arborist und hilft als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger bei Fragen rund um das Thema Bäume, deren Verkehrssicherheit und Wertermittlung. Ein Jahr, nachdem er seinen Garten- und Landschaftsbau - Betrieb eingestellt hat, sprach Lydia Klehn mit dem Lembecker über sein Arbeitsfeld.


DZ.: Herr Löchteken, wie sehen Sie Ihren Start als Jungunternehmer?
Heiner Löchteken: ... na, wenn ich mich so gut gehalten habe? Im Ernst: Durch meinen Garten- und Landschaftsbau Betrieb – in Dorsten bekannt als `Teichbau Löchteken´ –  sehe ich mich nicht wirklich als Jungunternehmer. 1993 habe ich den Betrieb gegründet und seit 1998 auch die Baumpflege angeboten. Als Gärtnermeister dokumentierte ich die Verkehrssicherheit von Bäumen und war wohl einer der ersten, der Bäume in einem Kataster geführt hat. Ohne Richtlinien – die Baumkontrollrichtlinie wurde 2010 veröffentlicht – glaube ich bereits vor 17 Jahren einen guten Ansatz gehabt zu haben.
DZ.: ...und diesen haben Sie nun forciert?
Heiner Löchteken: Ja, genau. Ich studierte Arboristik und bin dann von der  Landwirtschaftskammer NRW öffentlich bestellt und vereidigt worden. Zeitgleich konnte ich Artikel in Fachzeitschriften und eine Baumkatastersoftware veröffentlichen, in die meine Erfahrungen einfließen. Zwangsläufig kommen der Support für Baumkontrolleure und Kommunen, die mein Programm nutzen, sowie Gutachten und Baumkontrollen hinzu.
Um diese neuen Aufgaben konzentriert angehen zu können habe ich mich im letzten Jahr schrittweise vom operativen GaLa-Bau getrennt.
DZ.: können Sie kurz erklären, was ein Arborist macht?
Heiner Löchteken: In erster Linie ist der Arborist ein kompetenter Ansprechpartner für Themen rund um den Baum. Im urbanen Bereich haben Straßenbäume, Alleen, Park- und Hofbäume in der Regel keinen idealen Standort. Trotzdem sollen diese Bäume besonders verkehrssicher bleiben. Der Arborist muss eine Differenzialdiagnose zu Schäden und Schadorganismen wie z.B. parasitäre Pilze für die Baumart stellen und dann auf die Stand- und Bruchsicherheit schließen.
DZ.:  der Arborist kontrolliert also die Verkehrssicherheit
Heiner Löchteken: ...dies und vieles Mehr wie Baumwertermittlungen, Standortfragen, Baumkrankheiten, Gehölzpathologie und etliche weitere Themenbereiche.  Für mich als gelernter Landschaftsgärtner ist der Baumschutz auf Baustellen besonders interessant, da ich für diesen Komplex offensichtlich den richtigen Lebenslauf mitbringe. Einige Kollegen tun sich jedenfalls deutlich schwerer mit einer gesunden Baustellen-Pragmatik.
DZ.: ...also kann nicht jeder Baum erhalten werden?
Heiner Löchteken: ja und nein. Es ist Augenwischerei einen Baum aufwendig im Bauverlauf zu schützen, wenn ein Kanal in der Baumscheibe vorgesehen ist. Es ist schon nervig, wenn ich einen Plan absegnen soll, in dem ein erhaltenswerter Baumbestand eingezeichnet ist, aber die Wurzeln wegretuschiert wurden...
DZ.: ...kommt da bei Ihnen der Baumschützer durch?
Heiner Löchteken: Viele Passanten trauern alten Bäumen erst nach, wenn sie weg sind. Wie lange diese wachsen, wissen die wenigsten. Eine 30-jährige Linde ist ein Jungbaum! Während der Kontrolle einer 70-jährigen Linde wurde ich von einem rüstigen Rentner darauf hingewiesen: „...dieser Baum ist doch alt und müsste  endlich ausgetauscht werden...“. Ich wollte was unschönes entgegnen, habe aber nur erwidert, dass die Linde weit über 500 Jahre überstehen könne, also eher ein Teenager sei.
Baumschutz um jeden Preis ist der falsche Ansatz, aber ich wünschte mir, dass sich das Verständnis ändern würde und die Jahrzehnte, manchmal Jahrhunderte bis zum fertigen Baum wie wir ihn kennen realisiert werden.


Newsletter 23/09/2015

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