Die Ehre ist berechtigt...

...denn die Winter-Linde (13 %) seht im Ranking vor der Stiel Eiche (12 %) und dem Berg Ahorn (10 %) an erster Stelle. Naja – genau genommen ist dies keine wissenschaftlich korrekte Statistik sondern entstammt lediglich aus meinem Kataster. Ich möchte auch nicht verschweigen, dass zwei Bestände mit jeweils rund 180 bzw. 260 Winter-Linden und nur wenigen anderen Baumarten daran nicht ganz unschuldig sind.
Für mich ist die Winter-Linde jedenfalls ein toller und gut funktionierender Stadt-Baum, der den Titel Baum des Jahres mehr als verdient hat. In der GALK-Straßenbaum-Liste wird die Winter-Linde als `geeignet mit Einschränkung´ geführt. Die Sorte T. cordata `Greenspire´ ist danach sogar gut geeignet. Dass die Winter-Linde so deutlich besser als die Sommer-Linde abgeschnitten hat, liegt sicher auch an ihre geringere Größe. Auch wenn es einzelne 30 m – Exemplare gibt (lt. Literatur bis 40 m), bewegen sich die meisten Winterlinden unterhalb von 20 m.
Schwierig gestaltet sich bei Linden die Bestimmung der Art. Zu viele Linden-Arten werden tatsächlich verwendet und zu ähnlich sind deren Eigenschaften. Nicht selten tun sich sogar Spezialisten zunächst schwer, sich vor Ort auf eine Art festzulegen.

Die Linde – Inspiration von Poeten

Volkstümliche Lieder besingen die Linde und kaum ein Dichter hat es in den zurückliegenden Jahrhunderten ausgelassen, über die Linde zu rezitieren. Dies mag vor allem darin begründet sein, dass die Linde für viele Jahrhunderte zum Dorfmittelpunkt gehörte, wie die Kirche, der Brunnen und der Markt. Wer kann es verdenken, denn vor Apple und Co. traf man sich an warmen Sommertagen eben genau dort – unter der Linde. Sie versprach Abkühlung und das neueste vom Tage. Und wenn sich kein anderer in diesem Chatroom befand, saß der Dichter eben alleine auf der Bank unter der Linde und wurde inspiriert vom Duft, vom angenehmen Grün, vom leichten säuseln der Blätter, und, und, und...
Schade – heute wechseln wir dann einfach den Chat

Winter-Linde

Tilia cordata Mill.   (auch Kleinblättrige Linde oder Spät-Linde)
Familie: Malcaceae (Malvengewächse)
Mit etwa 50 Arten scheint die Gattung der Linden recht übersichtlich, was ihre Bestimmung nicht unbedingt einfacher machen muss. Die Linden sind ursprünglich im nördlichen Europa bis Südschweden, Vorderasien, Ostasien und im südöstlichen Nordamerika bis Mexico zu Hause. Die späte Blüte ist für viele der Inbegriff des Sommers und in Europa hat kaum ein anderer Baum im Volksgut eine ähnlich prägende Rolle gespielt, wie die Linde.
In der Forstwirtschaft findet sich die konkurrenzschwache Linde immer seltener und ist nahezu vollständig aus den Wäldern verdrängt. Das weiche Holz ist besonders bei Holzschnitzern und Bildhauern beliebt, da es sich mit scharfem Werkzeug scheinbar mühelos und bis zu einem gewissen Grad auch quer zur Faser gut bearbeiten lässt.

Im kommunalen Raum haben Linden – besonders die Winter-Linden – einen festen Platz. Dieser Baum dient als stattlicher Schattenspender, findet sich in vielen Alleen und Parks. Aufgrund der Langlebigkeit und der hohen Vitalität genießt die Linde hier sehr viel Zuspruch. Am Mittel- und Niederrhein finden sich viele Plätze und Alleen, in denen konsequent und sehr geschickt das gute Ausschlagvermögen der Linden genutzt wird, um diese als Dach- und Kastenform einzusetzen.
Die Winter-Linde wird laut einschlägiger Literatur 15 bis 20, selten bis 30 m hoch mit kegelförmiger, dichter Krone. Insbesondere als Straßenbaum gepflanzt, fällt die Schleppenbildung negativ auf, wenn sich zunächst ausreichend hoch bildende Äste weit nach unten neigen. Im Freistand macht genau diese Besonderheit einen typischen Linden-Habitus aus.
Die matt glänzenden und unbehaarten Triebe können anfangs rotbraun, sind kurzgeknickt und verzweigt. Die Endknospen sind i.d.R. mit rund 7 mm etwas stärker als die Seitenknospen, glänzen stark oft rotviolett und haben meist nur 2 Knospenschuppen.
Gegenüber der Sommer-Linde unterscheiden sich die ebenfalls sommergrünen und wechselständigen Blätter auf den ersten Blick durch die geringere Größe von 3 bis 10 cm. Die schief herzförmigen bis rundlichen Blätter mit einem 2 bis 5 cm langen Blattstiel sind oft leicht muldenförmig nach oben gewölbt. Unterseitig mit bläulich graugrüner Färbung befinden sich entlang der Mittelrippe und in den Aderwinkeln rotbraune Achselbärte. Die Herbstfärbung ist oft auffallend leichtendgelb.
Besonders Imker erfreuen sich an der Linde (=Imker-Baum), da die gelblichweißen, in 5 bis 11-blütigen Trugdolden zusammengefassten Blüten erst Anfang Juli als Futterspender für Bienen wichtig werden. Verpassen kann man die Blütezeit aufgrund des Honigduftes kaum und viele würden diesen Duft automatisch mit einem angenehmen Hochsommertag verbinden.
Die sich daraus entwickelnden dünnschaligen, kugeligen Nüsschen sind ca. 5-7 mm dick, schwach gerippt und behaart. Abgelöst vom Baum bringt das halbverwachsene Hochblatt die Frucht in Rotation und kann diese Nüsschen mit etwas Wind sehr weit tragen. Nicht selten werden Linden im kommunalen Raum zum Anlass für gerichtliche Auseinandersetzungen genommen. Da geht es um Laubfall, Blüten- und Früchte, aber oft auch um den Honigtau, der sich besonders im Juli auf Fahrzeuge legt. Bei dem Honigtau handelt es sich übrigens nicht um den oben beschriebenen wichtigen Bienennektar, sondern um die Absonderungen von Blattläusen. Da die Sommer-Linde oft blattlausanfälliger ist, fällt dieser Honigtau bei Winter-Linden auch nicht so stark aus.
Ohne diese Zwistigkeiten und an halbwegs guten Standorten können Winter-Linden auch im urbanen Raum mehrere hundert, sogar tausend Jahre alt werden.

Baum des Jahres

...Link für die kleinen und großen Baumfreunde!

Baum des Jahres 2015: der Feld-Ahorn

 

... die offiziellen Seiten der Baum des Jahres - Dr. Silvius Wodarz Stiftung

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